Entwurf und Planung: ARGE Team IBEX, bestehend aus Dorenbach Architekten mit Kunz und Mösch Architekten, Basel Ausführung: HRS Real Estate AG Bauherr: Casino Kursaal AG
Offener Architekturwettbewerb: November 2005, 1. Preis Planungs- und Bauzeit: April 2008 bis April 2010
Volumen nach SIA 416: 33'193 m3 Gebäudegrundfläche: 2'304 m2
Fassade
Neubau Kongresssaal Interlaken, 2008 - 2010
Ausgangslage
Gefordert wird im Wettbewerb eine innovative und zeitgemässe Kongresserweiterung, damit dem Standort Interlaken langfristig eine führende Stellung im Kongresstourismus erhalten bleiben kann. Das Herz der neuen Anlage sind der Kongresssaal mit 1’200 Sitzplätzen und das grosszügig bemessene Foyer. Das historische Ensemble soll auf der Ostseite einen Abschluss erfahren. Weiter galt es, den Hauptzugang der Gesamtanlage zu klären und aufzuwerten. Das vorgegebene Budget bedingt ein hohes Kostenbewusstsein in den Planungs und Realisierungsphasen.
Es gilt eine Balance zu finden zwischen selbstbewusstem Auftritt des neuen Kongresssaales einerseits und respektvollem Umgang mit dem Ensemble der bestehenden Gebäude und dem Park andererseits. Der eigenständige Neubau ist vom Hauptzugang des Parks her optisch präsent. Indem er sich von den bestehenden Gebäuden absetzt, lässt er deren zahlreiche Anbauten ausklingen und schafft gleichzeitig eine räumlich erlebbare Zwischenzone. Das monolithische Gebäudevolumen mit seiner schimmernden Metallhaut aus vertikalen, spiegelnden Profilblechen respektiert die sensible Silhouette des historischen Ensembles der bestehenden Anlage. Im Glanz des neuen Gebäudes und deren homogenen Gebäudehülle werden die Strukturen und Farben der gewachsenen und gebauten Umgebung aufgenommen. Die Situierung des Baukörpers gibt dem Park gegen Osten Begrenzung und Halt und begleitet dessen Erweiterung gegen das Ufer der Aare hin.
Fenster Bühne
Neubau Kongresssaal Interlaken, 2008 - 2010
Architektonisches Konzept
Die Ausdehnung des Parks gegen Norden verstärkt zugleich die Gewichtung des zukünftigen Haupteinganges der bestehenden Gebäude. Die in das Volumen eingeschnittene Eingangszone, das leicht abgewinkelte Foyer mit dem grossen Aussichtsfenster und die ansteigende Volumetrie des Saales strukturieren den Baukörper. Die Besuchenden betreten das Gebäude vom Park her und gelangen, geschützt durch das auskragende Foyer, in die Empfangszone mit den Garderoben. Über die breite Treppenanlage werden sie in das Foyer im Obergeschoss geleitet, das durch ein grosses Aussichtsfenster Richtung Jungfraumassiv charakterisiert ist. Zwischen Foyer und Saal liegt ein dreigeschossiger Kern. Er dient der Aussteifung des Gebäudes und beinhaltet eine zweite Treppe, Liftanlagen und die Steigzonen der Technik. Dem Saal zugeordnet sind die Regie- und Übersetzerkabinen, gegen das Foyer orientiert sich die Ausgabetheke für Essen und Getränke.
Ansicht vom Park
Neubau Kongresssaal Interlaken, 2008 - 2010
Architektonisches Konzept
Beidseitig des Kerns betritt der Gast den gegen die Aare hin abfallenden Saal. Dessen gegenläufig ansteigende Decke akzentuiert die Grosszügigkeit der Raumwirkung. Die Statik der Saals wie auch des Foyers ist unsichtbar: bis zu 30m langen Stahlträgern überspannen diese Räume. Die Zwischendecke bietet der aufwändigen Haustechnik den erforderlichen Platz. Ein weiteres Panoramafenster in der Rückwand der Bühne öffnet den Blick auf die Flusslandschaft und den bewaldeten Hang des Harders.
Fassade in spiegelndem Chromstahl
Neubau Kongresssaal Interlaken, 2008 - 2010
Architektonisches Konzept
Mit Ausnahme der beiden Panoramafenster sind alle Fenster und Öffnungen in die Fasssadenhülle integriert. Durch jeweils präzise Perforationen wird der erforderliche Lichteinfall gesteuert. Die kompakte Autoeinstellgarage füllt den Raum zwischen Saalboden und Gebäudefundation/UG und ist direkt mit der Empfangshalle verbunden.
Aufgrund der speziellen Bauaufgabe eines Saals für 1’200 Personen und mit polyvalenter Nutzung, sind Haustechnik, Akustik und Audio- bzw. Videotechnik von zentraler Bedeutung. Dem Saal angegliedert sind ein Regieraum sowie abgeschirmte Übersetzerkabinen. Drei Grossprojektoren mit Beamer, Saalüberwachung mit Kameras, Infrarotübersetzungssysteme, ferner die Möglichkeit, diverse Lichtstimmungen zu erzeugen und schliesslich eine wandelbare Bühne für diverse Nutzungen, dokumentieren den hohen Installationsgrad des Saals. Die Bühne ist bestückt mit einer Hebebühne, welche direkt mit der darunterliegenden Einstellhalle verbunden ist. So können sogar Fahrzeuge und dergleichen auf der Bühne präsentiert werden. Im Norden des Gebäudes sind zwei Künstlergarderoben untergebracht und über einen direkten Gang mit der Bühne verbunden.
Das Areal liegt östlich des historischen Ortskernes zwischen der kanalisierten Aare im Norden und der Höhematte im Süden. Die ebene Topografie, der Fernblick auf die Schneeberge, der reiche Baumbestand des Parks und die Ausstrahlung der benachbarten historischen Hotelbauten prägen den Ort. Die Silhouette des bestehenden Ensembles ist Teil der unverwechselbaren Eigenart des Ortes. Auf dem erweiterten Kongressareal entsteht eine grosszügige, öffentliche Grünanlage. Sie verbindet die für Interlaken wichtige Promenade am Höhenweg mit dem Freiraum entlang der Aare. Die Zufahrtsstrassen wurden im Bereich des Projektperimeters leicht angehoben, so dass sich die gesamte Anlage mit der bestehenden Parkanlage auf einem Niveau befindet und als zusammenhängende Ebene spürbar wird. Der neue Baukörper wird durch die Erweiterung des Grünraumes in die Gesamtanlage optimal eingebunden und bildet zusammen mit dem bestehenden Kongressgebäude und dem vorhandenen Park ein harmonisches Ensemble.
Homogenität und Neutralität bilden die übergeordnete Gestaltungsidee der Gebäudehülle wie auch der Innenräume. Dies gilt hinsichtlich der Materialisierung wie auch der Farbgebung. Die metallisch glänzenden Fassaden nehmen die Umgebung auf und geben sie dem Betrachtenden als facettiertes Bild wieder. Der Baukörper ist einerseits deutlich präsent und nimmt sich gleichzeitig in der Wahrnehmung des Betrachters zurück. Gleiches gilt für den Innenraum: die monochrome Farbgebung verstärkt die Gesamtwirkung des Raumes und ist zugleich in ihrer Neutralität zurückhaltend.
WC
Neubau Kongresssaal Interlaken, 2008 - 2010
Materialisierungskonzept
In einem multifunktionalen Kongresssaal wechseln die Themen in rascher Kadenz. Wie die Aussenhaut des Gebäudes ist auch die Saalnutzung facettenreich. Oberstes Gebot ist es daher, dem Kunden eine freundliche und neutrale Plattform zu bieten. Die Räumlichkeiten des Kongresssaals wie auch des Foyers erfüllen diese Prämisse durch optimale Funktionalität und ein neutrales Farb- und Materialkonzept. Sie bilden somit einen bestmöglichen Hintergrund für künftige Präsentationen und Veranstaltungen im Saal und auf der Bühne wie auch im Foyer.
Das durch die Panoramafenster einfliessende Tageslicht erzeugt unterschiedliche Stimmungen. Diese lassen sich durch künstliche Lichteinflüsse verstärken oder überlagern: Die polygonale Deckenstruktur ist mit einem Raster verschiedener bündig eingebauter Leuchten bestückt und erinnert entfernt an einen Sternenhimmel.